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The Book of Mozilla – die Heilige Schrift von Mozilla

Geschätzte Lesedauer:

Das Buch von Mozilla – nein, dabei handelt es sich um keine Offenbarung aus der Bibel, sondern um ein Easter-Egg im Mozilla-Browser. Bereits seit Netscape-Zeiten wird der Browser – damals der Navigator, heute Firefox – mit einem Vers aus Mozillas Heiliger Schrift ausgeliefert. Und hat jüngst mit Firefox 21 erst eine neue Textstelle erhalten.

Ruft man in Firefox die Seite about:mozilla auf, schlägt man damit das Buch von Mozilla auf, die Heilige Schrift Mozillas. Das Book of Mozilla gab es bereits zu Netscape-Zeiten. Mozilla war damals eine grüne Echse und das Maskottchen von Netscape. Zum ersten mal in Erscheinung getreten ist Mozillas Offenbarung mit Netscape 1.1. Zuvor gab es zwar auch schon about:mozilla, dort war allerdings nicht viel mehr als ein unkreatives „Mozilla rules!“ zu lesen.

Natürlich ist das Ganze mit einem großen Augenzwinkern zu verstehen. Wer die englische Übersetzung der Bibel von King James kennt, sollte sich die Zitate im englischsprachigen Original durchlesen, da die Verse stilistisch daran angelehnt sind.

Netscape zeigte ab Version 1.1 beim Aufruf von about:mozilla Folgendes:

„Und das Tier soll erscheinen, umgeben von einer dunklen Wolke der Rache. Das Haus der Ungläubigen soll dem Erdboden gleichgemacht und seine Bewohner zu Asche verbrannt werden. Ihre Tags sollen blinken bis ans Ende aller Tage.“

– Das Buch Mozilla, 12:10

Mit diesem Vers wurde die Geburt des Tieres angekündigt, mit welchem nach Angaben von Mozilla (Quelltext) Netscape gemeint ist. Als Ungläubige sind all jene zu verstehen, welche sich nicht an Standards halten. Das Blinken bezieht sich auf falsche HTML-Tags, welche bis Netscape 3 in der Quelltext-Ansicht blinkten. Die Versangabe 12:10 gibt einen Hinweis auf das Veröffentlichungsdatum von Netscape 1.0, den 10. Dezember 1994.

Das nächste Kapitel wurde dann mit Netscape 6.0 aufgeschlagen.

„Und das Tier soll eine Heerschar bilden. Ihre Anzahl soll zu einer Gemeinschaft von tausend Tausend anwachsen. Der Lärm von einer Million Tastaturen soll die Erde einhüllen wie ein großes Unwetter, und die Anhänger des Mammon sollen erzittern.“

– Das Buch Mozilla, 3:31 (Red Letter Edition)

Die Verszahl 3:31 ist ein Hinweis auf den 31. März 1998 – an jenem Tag wurde der Quellcode des Netscape Navigators als Open Source veröffentlicht. Dadurch, dass der Quellcode einer riesigen Open Source-Community öffentlich verfügbar gemacht worden war, erhoffte man sich, dass eine Legion (Anspielung auf King James-Bibel) von Entwicklern gegen die Anhänger des Mammon ankämpfe. Der aus dem Aramäischen stammende Begriff Mammon bezeichnet eine große Menge Geld und ist meistens abwertend gemeint. Gemeint ist an dieser Stelle Microsoft mit dem Internet Explorer, dem damals größten Konkurrenten von Netscape mit rein kommerziellen Interessen, während die Entwicklung von Netscape und Mozilla community-getrieben war. Der Zusatz „Red Letter Edition“ ist vermutlich als Anspielung auf die sogenannte Red Letter-Edition der Bibel zu verstehen, in welcher Zitate von Jesus in roter Tinte gedruckt stehen.

Die nächste Textstelle kam dann mit Netscape 7.2 und Mozilla 1.5, wurde später auch in Firefox, SeaMonkey, Camino, Minimo, Flock und Thunderbird benutzt:

„Und schließlich fiel das Tier und die Ungläubigen jubelten. Aber nicht alles war verloren, denn aus der Asche entstieg ein großer Vogel. Der Vogel starrte auf die Ungläubigen herab und brachte Feuer und Donner über sie. Denn das Tier ist mit neuer Stärke wiedergeboren worden und die Anhänger des Mammon kauerten in Angst.“

– Das Buch Mozilla, 7:15

Das Tier ist gefallen – Netscape wurde durch seine Muttergesellschaft AOL am 15. Juli 2003 geschlossen, dazu passend auch die Versangabe. Die Ungläubigen jubelten zwar, aber aus der Asche entstieg ein großer Vogel – die Mozilla Foundation wurde gegründet. Hier lassen sich gleich zwei Anspielungen herauslesen. Wie Phönix aus der Asche ist mit Phoenix ein neuer Browser aus der Asche von Netscape entstanden. Dieser wurde kurze Zeit später umbenannt. Der Browser, welchen wir heute als Firefox kennen, trug zum Zeitpunkt dieses Verses den Namen Firebird und wurde als Feuer bringender Vogel dargestellt. Der Donner kann als Anspielung auf Thunderbird verstanden werden. Auch in diesem Vers spielt man wieder auf den Mammon und Microsoft an, für welche der Mozilla-Browser eine Bedrohung darstelle.

Als es zwischenzeitlich eine Wiederaufnahme der Entwicklung von Netscape durch AOL auf Basis von Firefox gab, hatte Netscape 9.0 einen eigenen Vers aus dem Buch von Mozilla dabei:

„Und so sah der Schöpfer das wiedergeborene Tier an und sah, dass es gut war.“

– Das Buch Mozilla, 8:20

Das wiedergeborene Tier ist demnach Netscape. Die Versnummer 8:20 soll ein Hinweis auf den 20. August 2006 sein, an welchem in einer internen E-Mail erstmals angedeutet worden sein soll, dass der Netscape Navigator möglicherweise wieder eigenständig weiterentwickelt werden könnte, nachdem die zuvor erschienene Version 8 zwar von AOL veröffentlicht, aber von Mercurial Communications entwickelt worden war. Der Vers ist außerdem eine Anspielung auf die Schöpfungsgeschichte (Genesis).

Der nächste Vers findet sich in Nvu, einer auf Mozilla-Code basierenden Anwendung zur Bearbeitung von HTML, später unter dem Namen KompoZer weiterentwickelt:

„Die Urgewalten kämpften und wiesen die Armeen des Mammon zurück in die Innenwelt. Der Schreiber vollendete die inspirierten Pergamente und die Gläubigen schluchzten ob der neuen Sicht auf die Welt. Lange nach dem Donner und dem Feuer kam die Sonne und schließlich der lang erwartete Regenbogen…“

– Das Buch Mozilla, 8:23

Besonders hervorgehoben werden in diesem Vers der Donner, das Feuer und die Sonne. Dieser Vers soll sich auf den Anfang der Namen Thunderbird, Firefox und Sunbird (damaliger Kalender von Mozilla, heute gibt es Lightning als Erweiterung für Thunderbird) beziehen.

Bei Flock handelt es sich um einen Browser mit besonderem Augenmerk auf sozialen Features, welcher damals noch auf Firefox basierte. Auch dieser hatte in Version 1.0 seinen eigenen Vers dabei:

„Und als das Tier das Viertel der Erde unter seine Herrschaft genommen hatte, flohen ein Viertel Hundert Vögel aus Schwefel aus den Tiefen. Die Vögel überquerten hunderte Bergblicke und fanden vierundzwanzig weise Männer, die von den Sternen kamen. Und dann begann es, die Gläubigen wagten zu hören. Dann nahmen sie ihre Stifte und wagten zu erschaffen. Endlich wagten sie, ihre Tat zu teilen mit der ganzen Menschheit. Worte von Freiheit verbreitend und die Ketten brechend, brachten die Vögel jedem Erlösung.“

– Das Buch Mozilla, 11:1

Der Vers 11:1 nimmt Bezug aug den 01. November 2007, dem Veröffentlichungsdatum von Flock 1.0. Mit dem Viertel der Erde haben sich die Flock-Macher wahrscheinlich auf den Marktanteil von Firefox zum damaligen Zeitpunkt bezogen. Die Vögel aus Schwefel stehen in Zusammenhang mit dem Codenamen von Flock, Sulfur (englisch für Schwefel). Die Bergblicke, oder auf Englisch mountain views können als Anspielung auf Mountain View verstanden werden, wo Mozilla seinen Hauptsitz hat und auch die Entwickler von Flock hatten. Die vierundzwanzig weisen Männer sind die vierundzwanzig Entwickler von Flock zum damaligen Zeitpunkt.

Mit Firefox 3 gab es dann in Firefox wieder einen neuen Vers in Firefox, welcher immerhin bis einschließlich Firefox 20 zu lesen war. Firefox Mobile, der auf Mozilla-Code basierende Medienplayer Songbird, Flock 2.0.6 sowie Waterfox haben ebenfalls diesen Vers spendiert bekommen:

„Der Mammon schlief. Und das wiedergeborene Tier breitete sich auf der Erde aus und wuchs zu einer Heerschar. Und sie verkündeten die Zeiten und opferten Früchte der Ernte dem Feuer, mit der Schlauheit von Füchsen. Und sie bauten eine neue Welt nach ihrem eigenen Bild, wie von den heiligen Worten versprochen, und sprachen über das Tier mit ihren Kindern. Der Mammon erwachte, und siehe! Er war nichts als ein Nachahmer.“

– Das Buch Mozilla, 11:9 (10th Edition)

Der 09. November 2004 war das Veröffentlichungsdatum von Firefox 1.0, hierauf bezieht sich auch diese Versnummer. Während Microsoft mit dem Internet Explorer die Zeit verschlafen hatte (zwischen dem Internet Explorer 6 und 7 lagen ganze fünf Jahre!), hat sich Firefox, das wiedergeborene Tier, auf der Erde ausgebreitet. Zwar sei der Mammon erwacht, dann aber nur als Nachahmer in Erscheinung getreten. Das 10th Edition bezieht sich auf den zehnten Jahrestag seit Veröffentlichung des Netscape-Quellcodes.

Vor wenigen Tagen hat Mozilla Firefox 21 veröffentlicht, welcher einen neuen Vers beinhaltet. Dieser taucht ebenso in Firefox OS auf:

Die Zwillinge des Mammons zankten. Ihr Bekriegen stürzte die Welt in eine neue Dunkelheit, und das Tier verabscheute die Dunkelheit. So begann es, sich rasch zu bewegen und wuchs noch stärker, und ging hinaus und vervielfachte sich. Und das Tier brachte Feuer und Licht in die Dunkelheit.

– Das Buch Mozilla, 15:1

Hier hat Mozilla das Versformat umgedreht. Vers 15:1 bezieht sich auf den 15. Januar 2013, den Code-Freeze von Firefox OS 1.0. In diesem Vers bekommen erstmals auch Apple und Google ihr Fett weg, welche mit den Zwillingen des Mammons gemeint sind und deren Betriebssysteme iOS respektive Android ein Duopol auf dem Markt der mobilen Betriebssysteme bilden. Die neue Dunkelheit ist eine Anspielung auf die geschlossenen Ökosysteme durch traditionelle App Stores. Mit dem raschen Bewegen ist das Rapid Release-Modell von Firefox gemeint, welches sechswöchige Veröffentlichungen von Firefox vorsieht. Die Vervielfachung meint, dass Firefox zu einem Begriff für mehrere Dinge wurde, durch die Veröffentlichung von Firefox Mobile für Android und Firefox OS.

Mit Firefox 57, einem für Mozilla wegweisenden Release, hat Mozilla ein neues Kapitel geschrieben.

„Das Tier nahm neue Gestalt an und studierte die Wege von Zeit, Raum und Licht und den Fluss der Energie durchs Universum. Aus seinen Lehren formte es Strukturen aus oxidiertem Metall und verkündete ihren Ruhm. Und die Anhänger des Tiers frohlockten und fanden neuen Sinn durch diese Lehren.“

– Das Buch Mozilla, 11:14

Mit der neuen Gestalt ist das neue unter dem Namen Photon entwickelte Design gemeint. Zeit und Raum sind eine Anspielung auf Quantum – unter diesem Namen wurden signifikante Verbesserungen der Engine entwickelt. Der Fluss, im Englischsprachigen Flow, kann als Andeutung auf Quantum Flow verstanden werden, einem Teil-Projekt von Quantum. Und schließlich ist hier noch von oxidiertem Metall die Rede, also Rost, oder Englisch Rust, die von Mozilla vorangetriebene Programmiersprache, in welcher immer mehr wichtige Teile von Firefox geschrieben sind. Unter dem Projektnamen Oxidation läuft auch die Integration von Rust-Komponenten in Firefox.

Auch die Vers-Nummer ist kein Zufall, 11:14 repräsentiert den 14. November und damit den Erscheinungstermin von Firefox 57.

Übrigens: Auch der Internet Explorer kannte in den Versionen 4 bis 6 die Adresse about:mozilla. Der Internet Explorer zeigte in diesen Versionen ein blaues Browserfenster – wohl eine Anspielung auf die aus Windows bekannten Bluescreens, welche bei schweren Systemfehlern auftreten. Nicht minder interessant war das Ergebnis des Aufrufes von about:mozilla im Browser iCab: Dieser antwortete mit dem Hinweis: „Hey, das ist nicht der Netscape Navigator“.

Artikel mit Textstellen von Wikipedia.

Dieser Artikel wurde von Sören Hentzschel verfasst.

Sören Hentzschel ist Webentwickler und Mozilla Repräsentant (Alumnus). Neben diesem Mozilla-Blog betreibt er unter anderem noch firefoxosdevices.org sowie das Fußball-Portal Soccer-Zone und ist außerdem Administrator des deutschsprachigen Firefox Hilfeforums Camp Firefox.

5 Kommentare - bis jetzt!

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  1. schrieb am :

    „Und das Tier soll erscheinen, umgeben von einer dunklen Wolke der Rache. Das Haus der Ungläubigen soll dem Erdboden gleichgemacht und seine Bewohner zu Asche verbrannt werden. Ihre Tags sollen blinken bis ans Ende aller Tage.“

    „Ungläübige sind aber jene, die auch Chrome und Opera benutzen – ihnen sollen die Hände lahm werden bei ihrem obskuren Tun. Siehe auf den Fux mit den großen Füßen im orangefarbenen Gewande er weist dir den Weg zum wahren Browser. Neben ihm steht der junge Mann, dem es beliebt sich in Österreich aufzuhalten – dort gibt es hohe Berge und helles Licht!

    Gegen die Dunkelheit jener, die den IE heimlich nutzen – ihr frevelhaftes Tun wird so offenbar!“

    Das  „nicht kursive“ sind keine unentdeckten Weisheiten aud dem Heiligen Buch – ich habe mir erlaubt, es zur weiteren Ergänzung anzufügen.

    :mrgreen: 😆  

  2. SkyPirate
    schrieb am :

    Und wann kommen die 10 Mozilla-Gebote? 😀

  3. schrieb am :

    Entstehung des Firefox-Logos:

    <a target=’_blank‘ href=’http://imageshack.us/photo/my-images/203/logofirefoxentstehung.jpg/‘><img src=’http://img203.imageshack.us/img203/2640/logofirefoxentstehung.jpg‘ border=’0’/></a>

  4. Sören Hentzschel Verfasser des Artikels
    schrieb am :

    Bilder direkt gar nicht. Zum Verlinken (und Entfernen von Verlinkungen) sind die beiden Buttons ganz rechts über dem Textfeld. 😉

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