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Nightly-Builds von Servo-Browser ab sofort verfügbar

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Mozilla arbeitet an einer neuen Browser-Engine, welche auf den Namen Servo hört und in der neuen Programmiersprache Rust geschrieben wird. Nun stellt das Servo-Team erstmals installierbare Nightly-Builds eines Servo-Browsers zur Verfügung.

Bis die Browser-Engine Servo als massentaugliches Produkt bezeichnet werden kann, wird noch einige Zeit vergehen. Doch kann das Team nun einen wichtigen Meilenstein verkünden: ab sofort gibt es Nightly-Builds eines Servo-basierten Browsers, so dass man Servo nun nicht mehr selbst kompilieren muss, um Servo zu testen und Probleme zu melden.

Der Browser kann nicht mit Firefox verglichen werden, denn er besteht aus nicht viel mehr als einer Adressleiste und Tabs. Auch optisch erscheint die Browseroberfläche anders als alle Browser, die man kennt. Im Gegensatz zu Firefox basiert die Oberfläche dabei vollständig auf Webtechnologien und nicht auf Mozilla-spezifischen Standards wie XUL.

Servo Developer Preview

Wer den Servo-Browser testen will, sollte sich direkt darauf einstellen, dass viele Webseiten noch nicht korrekt dargestellt werden können, denn einige Webstandards sind zu diesem Zeitpunkt schlicht und ergreifend noch nicht implementiert. Diese Developer Preview des Servo-Browsers wurde für die Webseiten DuckDuckGo, GitHub, Wikipedia, ArsTechnica, Reddit, Hacker News, die Rust-Webseite sowie die Servo-Webseite und für vier Tech-Demos optimiert, welche direkt beim Start des Browsers als Vorschaubilder erscheinen. Auch wenn diese ebenfalls noch nicht alle zu 100 Prozent korrekt dargestellt werden können, sind hier noch die wenigsten Probleme zu erwarten. Wer die Demos einmal in einem anderen Browser ausführt, bekommt bereits einen ersten Vorgeschmack auf die beeindruckende Performance, welche Servo möglich macht.

Servo Developer Preview

Die Veröffentlichung dieses Servo-Browsers sollte keinesfalls mit der Veröffentlichung eines fertigen Browser-Produkts verwechselt werden, denn das ist es nicht. Vielmehr handelt es sich dabei ausdrücklich um eine Developer Preview, um den Kreis der Tester zu vergrößern.

Der Servo-Browser steht derzeit für Apple OS X und für Linux zur Verfügung, Versionen für Windows und für Android sollen bald folgen. Es handelt sich um Nightly-Builds, jedoch gibt es noch keine automatischen Updates von einer Version auf die nächste.

Download Servo Developer Preview

Update 07.07.2016
Mit dem neusten Nightly-Build unterstützt der Servo-Browser auch andere Tastatur-Layouts (z.B. Deutsche Tastatur), was die Benutzbarkeit erheblich verbessert.
Dieser Artikel wurde von Sören Hentzschel verfasst.

Sören Hentzschel ist Webentwickler und Mozilla Repräsentant (Alumnus). Neben diesem Mozilla-Blog betreibt er unter anderem noch firefoxosdevices.org sowie das Fußball-Portal Soccer-Zone und ist außerdem Administrator des deutschsprachigen Firefox Hilfeforums Camp Firefox.

15 Kommentare - bis jetzt!

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  1. Michael M.
    schrieb am :

    Die Performance in den Demos ist tatsächlich beeindruckend (außer vielleicht bei der ersten, aber im Vergleich zu Firefox auch da), aber die Geschwindigkeit, mit der normale Webseiten dargestellt werden, ist dann doch wieder ernüchternd. Das kann natürlich daran liegen, dass das Caching noch unzureichend (oder sogar überhaupt nicht?) programmiert ist.

    Weißt du zufällig, wie die Verbindung von Browseroberfläche und dargestellter Seite technisch gelöst ist? Ist das wie in Firefox OS, wo die Browseroberfläche ja ebenfalls durch Webtechnologien realisiert wird und die aufgerufenen Seiten dann in einem iframe (mit nicht-standarisierter API) dargestellt wird? Der Servo-Browser sieht dem Firefox-OS-Browser ja durchaus recht ähnlich.

  2. Michael M.
    schrieb am :

    Hieß es eigentlich nicht einmal, dass Servo Acid 2 bestehen würde? Das ist bei mir nämlich nicht der Fall. Immerhin, bei Acid 3 schneidet Servo schon besser ab als der IE8.

  3. Teleborian
    schrieb am :

    In dieser Schlichtheit dürfte servo der Traumbrowser aller "Anti Blobs" sein. Und wenn das einzige was noch nicht ginge Javascript wäre… dann wäre der Jubel kaum zu dämpfen 🙂

  4. foobar
    schrieb am :

    „Mozilla-spezifischen Standards“ – ein Standard ist etwas allgemeingültiges, ein Spezifikum ist etwas nicht allgemeingültiges. Ich würde etwas in der Art schreiben wie „Mozilla-spezifischen Technologien“.

  5. foobar
    schrieb am :

    Was ist die finale Absicht hinter Servo? FF zu ersetzen? Gecko als Rendering-Engine inenrhalb des FF zu ersetzen? Ein Parallel zu FF betriebenes Produkt dazustellen? Ein Proof-of-Conzept für Rust darstellen?

  6. Sören Hentzschel Verfasser des Artikels
    schrieb am :

    @Michael M.:

    Weißt du zufällig, wie die Verbindung von Browseroberfläche und dargestellter Seite technisch gelöst ist? Ist das wie in Firefox OS, wo die Browseroberfläche ja ebenfalls durch Webtechnologien realisiert wird und die aufgerufenen Seiten dann in einem iframe (mit nicht-standarisierter API) dargestellt wird? Der Servo-Browser sieht dem Firefox-OS-Browser ja durchaus recht ähnlich.

    Ja, so ist das hier auch.

  7. Sören Hentzschel Verfasser des Artikels
    schrieb am :

    Hieß es eigentlich nicht einmal, dass Servo Acid 2 bestehen würde? Das ist bei mir nämlich nicht der Fall. Immerhin, bei Acid 3 schneidet Servo schon besser ab als der IE8.

    Servo hatte ACID 2 bestanden, seit einer ganzen Weile aber nicht mehr. Das ist dieses Ticket:

    https://github.com/servo/servo/issues/7722

  8. Sören Hentzschel Verfasser des Artikels
    schrieb am :

    @Teleborian:

    In dieser Schlichtheit dürfte servo der Traumbrowser aller "Anti Blobs" sein. Und wenn das einzige was noch nicht ginge Javascript wäre… dann wäre der Jubel kaum zu dämpfen ?

    Die Aussage verstehe ich nicht, gerade weil JavaScript einer der wichtigsten Webstandards überhaupt ist. Ich weiß auch nicht, was ein "Anti Blob" sein soll.

  9. Sören Hentzschel Verfasser des Artikels
    schrieb am :

    @foobar:

    Was ist die finale Absicht hinter Servo? FF zu ersetzen? Gecko als Rendering-Engine inenrhalb des FF zu ersetzen? Ein Parallel zu FF betriebenes Produkt dazustellen? Ein Proof-of-Conzept für Rust darstellen?

    Firefox zu ersetzen sowieso nicht, denn Servo ist kein Browser, sondern nur eine Rendering-Engine. Ein Proof-of-Concept für Rust ist es genauso wenig, denn Rust braucht sowas nicht mehr, Rust hat bereits bewiesen, dass es Stärken hat und wird produktiv eingesetzt, auch von einer Branchen-Größe wie Dropbox zum Beispiel, und in der jährlichen Stack Overflow Entwickler-Umfrage wurde Rust als beliebteste Programmiersprache des Jahres gewählt.

    Das primäre Ziel hinter Servo ist ganz einfach das, was es ist: eine Rendering-Engine der nächsten Generation zu entwickeln. Klar ist es für Mozilla erstrebenswert, wenn man eine neue super Engine hat, dass diese Gecko ablösen kann (sobald Servo weiter entwickelt ist als jetzt natürlich). Aber bei Servo geht es ausdrücklich nicht nur um Firefox, die Engine soll jeder verwenden können. Stichwort Embedding, das ist seit Gecko 4 kein Thema mehr und bei Servo ganz im Gegenteil eine Top-Priorität. In der Zwischenzeit ersetzt Mozilla einzelne Komponenten von Gecko/Firefox mit gleichwertigen Rust-/Servo-Komponenten. Damit hat Mozilla bereits angefangen, Firefox beinhaltet bereits Rust-Code.

  10. Gerd Neumann
    schrieb am :

    Die Performance in den Demos ist tatsächlich beeindruckend (außer vielleicht bei der ersten, aber im Vergleich zu Firefox auch da), aber die Geschwindigkeit, mit der normale Webseiten dargestellt werden, ist dann doch wieder ernüchternd. Das kann natürlich daran liegen, dass das Caching noch unzureichend (oder sogar überhaupt nicht?) programmiert ist.

    Ja, das ist im Prinzip noch gar nicht optimiert wie ich es verstanden habe. Priorität hat das Rendering. Siehe hier was die Entwickler selbst dazu schreiben/antworten: https://news.ycombinator.com/item?id=12014075 (" Yeah; we've mostly ignored the network stack.")

  11. Stefan Müller
    schrieb am :

    Die Aussage verstehe ich nicht, gerade weil JavaScript einer der wichtigsten Webstandards überhaupt ist. Ich weiß auch nicht, was ein "Anti Blob" sein soll.

    Unter Linux bezeichnet man Software die nur fertig kompiliert vorliegt als Blob. https://en.wikipedia.org/wiki/Binary_blob
    Den Begriff liest man häufig, wenn man es negativ und als Fremdkörper darstellen will.

    Übertragen auf einen Browser, müsste ein Anti-Blob jemand sein, der sämtliche Plugins ablehnt. Bzw. überhaupt alles was nicht zum Anzeigen von html dient. Das trifft wohl auf die Testversion zu. (Habe es nicht selber getestet)

     

    Ganz so schlimm bin ich nicht. Dennoch halte ich JavaScript meistens für unnötig. Habe deswegen noScript laufen und freue mich über das deutlich schnellere surfen.
    Sobald es interaktiv wird – Forum, Kommentare, beim Einkaufen(!) in Shops – schalte ich es wieder ein.

  12. Marcel
    schrieb am :

    Die Blobs in Linux haben aber damit etwas zu tun ob der Quelltext vorliegt oder nicht (letzteres ist oft bei Firmwares der Fall). Kann man so nicht auf den Browser übertragen da z.B. bei Firefox der gesamte Quelltext offen ist (die Ausnahme kommt gleich). Auch auf Addons oder Plugins kann das nicht zwangsweise übertragen werden, weil ein Addon/Plugin den Quelltext offen legen kann.
    Ein Binary Blob (im Sinne von Freier Software) wäre im Firefox die beiden DRM Plugins von Adobe und Google, da hier der Quelltext nicht offen gelegt ist.
    Es gibt Blobs und Blobs. Blob bei freier Software haben eine andere Bedeutung als das Blob, das im sinner von „übergewichtig“ verwendet wird.

  13. Teleborian
    schrieb am :

    @Sören

    @Teleborian:

    In dieser Schlichtheit dürfte servo der Traumbrowser aller "Anti Blobs" sein. Und wenn das einzige was noch nicht ginge Javascript wäre… dann wäre der Jubel kaum zu dämpfen

    Die Aussage verstehe ich nicht, gerade weil JavaScript einer der wichtigsten Webstandards überhaupt ist. Ich weiß auch nicht, was ein "Anti Blob" sein soll.

    Tut mir Leid ich habe mich hier wohl verschrieben. Es geht bei den einen um diejenigen welche sich immer darüber aufregen, dass Firefox so gross ist und nicht einfach nur ein Browser ist. "Bloatware" wäre hier das richtige Wort. Beim anderen geht es um diejenigen welche Javascript als Teufelszeug sehen, welche uns Werbung liefert, uns ganz übel ausspioniert, das Internet langsam macht und ganz grundsätzlich immer unsicher ist. Ich persönlich lege mich mal aus dem Fenster und behaupte die Schnittmenge ist recht gross.

  14. Sören Hentzschel Verfasser des Artikels
    schrieb am :

    Es geht bei den einen um diejenigen welche sich immer darüber aufregen, dass Firefox so gross ist und nicht einfach nur ein Browser ist. "Bloatware" wäre hier das richtige Wort.

    Sowas sagt aber niemand, der auch nur ein bisschen was von Browsern und vom Web versteht beziehungsweise wer mit seinem Wissen nicht vor zehn Jahren stecken geblieben ist und seit dem nicht mehr weiterentwickelt hat. 😉

    Ein Browser im Jahr 2016 hat mehr Aufgaben als die Darstellung von Text und Grafiken, das ist einfach eine Tatsache. Und Mozilla muss die Anforderungen genauso bedienen wie jeder andere Browserhersteller auch. Es gibt in Firefox nichts, was sich nicht als Teil des Browsers rechtfertigen lässt. Dass nicht jeder alles braucht, ist ein anderes Thema, aber kein Grund, es nicht anzubieten, denn wer es braucht, profitiert, und wer es nicht braucht, dem entsteht auch kein Nachteil. Leute, die sich über die Größe des Browsers aufregen, haben größere Probleme als das. 😉

    Beim anderen geht es um diejenigen welche Javascript als Teufelszeug sehen, welche uns Werbung liefert, uns ganz übel ausspioniert, das Internet langsam macht und ganz grundsätzlich immer unsicher ist.

    Im Prinzip genau das Gleiche, veraltete Ansichten. Wer JavaScript im Jahr 2016 so sieht, hat die letzten Jahre verschlafen. Ein Browser muss JavaScript beherrschen, daran führt absolut kein Weg vorbei.

    Klar, Werbung macht die Dinge langsamer, weil zusätzliche Ressourcen geladen werden. Das hat mit JavaScript aber nichts zu tun, JavaScript ist nur eine Technologie. Das, was zu laden wirklich Zeit benötigt, sind Text-Dateien (mit der Dateiendung .js) sowie Grafiken. Elemente, aus denen jede Webseite besteht. Und würde es kein JavaScript geben, wäre Werbung ohne JavaScript eingebunden. Das hätte diverse Nachteile, aber Werbung würde es trotzdem geben und zusätzliche Ressourcen müssten geladen werden.

    JavaScript als Technologie macht das Web aber nicht langsamer. Es ist sogar so, dass JavaScript Webseiten richtig beschleunigen kann, wenn es richtig eingesetzt wird.

    Die anderen Punkte sind noch schlimmer. JavaScript immer unsicher? Wohl kaum. JavaScript ist ein Teil der Web-Plattform und die Web-Plattform hat ihre Sicherheitslücken, welche aber a) nicht nur JavaScript betreffen und b) zeitnah nach Bekanntwerden behoben werden. Und Spionage? Wieso sollte man zum Spionieren denn JavaScript benötigen?

     

    Ich persönlich lege mich mal aus dem Fenster und behaupte die Schnittmenge ist recht gross.

    Etwa 0,42 Prozent der Firefox-Nutzer nutzen NoScript und das ist die mit Abstand populärste Erweiterung, um JavaScript zu blockieren. Keine Ahnung, wo man landet, wenn man alle Erweiterungen mit dieser Möglichkeit zusammenzählt, vielleicht bei ein oder zwei Prozent, mehr sicher nicht. Ob man das als große Schnittmenge bezeichnen kann, darüber kann man streiten. 😉

  15. Sören Hentzschel Verfasser des Artikels
    schrieb am :

    Zur Information: Mit dem neusten Nightly-Build unterstützt der Servo-Browser auch andere Tastatur-Layouts (z.B. Deutsche Tastatur), was die Benutzbarkeit erheblich verbessern sollte. 😉

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