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Die Mozilla Foundation ist die neue Heimat von Thunderbird

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Thunderbird hat eine neue Heimat gefunden und dabei handelt es sich um keine unbekannte: die Mozilla Foundation wird in weiterer Zukunft die Rolle des juristischen sowie fiskalischen Zuhauses übernehmen.

Gut ein Jahr ist seit der Ankündigung vergangen, dass das Thunderbird-Projekt eine neue organisatorische Heimat sucht. Verschiedene Optionen wurden überprüft, unter anderem Software Freedom Conservancy und die Document Foundation, aber auch eine erneuerte Vereinbarung mit Mozilla war eine der Optionen.

Heute wurde bekannt gegeben, dass Thunderbird auch in Zukunft bei Mozilla juristisch wie auch finanzwirtschaftlich beheimatet sein wird. Genauer gesagt wird die Mozilla Foundation diese Rolle übernehmen, während das operative Geschäft von der Mozilla Corporation getrennt wird.

Mozilla hat sich bereits Ende 2012 aus der Entwicklung von Thunderbird zurückgezogen und die Entwicklung an die Community übertragen. Seit dem wird Thunderbird weiterhin von Mozilla unter anderem durch die Bereitsstellung von Infrastruktur unterstützt. Diese Unterstützung ermöglicht es auch, dass das Thunderbird-Projekt seit gut einem Jahr Spenden empfangen kann.

Die im vergangenen Jahr gesammelten Spenden ermöglichen es, dass Thunderbird nun von der von Mozilla bereitgestellten auf eine eigene Infrastruktur umsiedeln kann, welche unter thunderbird.net betrieben werden soll. Ebenfalls durch die Spenden möglich: im November wurde der erste Halbzeit-Mitarbeiter in der Community-Ära von Thunderbird eingestellt. Außerdem ist derzeit noch eine weitere (zunächst auf drei Monate begrenzte) Vollzeit-Position als Build Engineer ausgeschrieben und die Auschreibung einer Stelle als Community Manager in Vorbereitung.

Sowohl die Mozilla Foundation als auch das Thunderbird-Projekt haben die Möglichkeit, die Zusammenarbeit mit einer Frist von sechs Monaten zu beenden. Sollte dieser Fall eintreten, würde Thunderbird innerhalb von sechs Monaten einer anderen Organisation unterkommen. Eine Voraussetzung für die langfristige Zusammenarbeit ist, dass das Thunderbird-Projekt bedeutende Fortschritte in angemessener Zeit bei der organisatorischen und technischen Trennung von der Mozilla Corporation macht.

Das Thunderbird-Projekt ist hinsichtlich der Zukunft von Thunderbird optimistisch nach dieser wichtigen Entscheidung, da nun der Fokus wieder mehr auf die technische Seite gelegt werden kann. Während Thunderbird mittelfristig eine Gecko-basierte Anwendung bleiben wird, sieht der langfristige Plan eine Neuentwicklung mit Webtechnologien vor, da sich Thunderbird und Firefox technisch immer weiter voneinander wegbewegen, was die Entwicklung von Thunderbird zunehmend erschwert. Doch dies benötigt Zeit und Entwickler.

Wer die Zukunft von Thunderbird unterstützen möchte, kann hier spenden.

Dieser Artikel wurde von Sören Hentzschel verfasst.

Sören Hentzschel ist Webentwickler und Mozilla Repräsentant (Alumnus). Neben diesem Mozilla-Blog betreibt er unter anderem noch firefoxosdevices.org sowie das Fußball-Portal Soccer-Zone und ist außerdem Administrator des deutschsprachigen Firefox Hilfeforums Camp Firefox.

5 Kommentare - bis jetzt!

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  1. Herbert
    schrieb am :

    Mich würde interessieren, wieviel Arbeit für einen Email Client wirklich notwendig ist. Gefühlt sollte das doch nicht allzu aufwändig sein. Ich denke da vor allem an die Entwicklung auf Android und iOS, wo man tatsächlich eine rießige Auswahl hat und nicht nur sowas wie: "Outlook, Thunderbird" und dann muss man schon nachdenken.

    Klar kann man das nicht direkt vergleichen, hinter Thunderbird steckt ja auch noch mehr. Dennoch denke ich, dass man sich hier mehr auf das wesentlich konzentrieren sollte und mehr Wert auf Sicherheit, Schnelligkeit und Zuverlässigkeit legen sollte.

  2. Sören Hentzschel Verfasser des Artikels
    schrieb am :

    Der Aufwand ist extrem, vor allem bei der Abhängigkeit von Gecko. Alleine, dass Thunderbird überhaupt funktionsfähig bleibt, bindet fast alle Ressourcen.

    Bedenke auch, wie schlecht andere E-Mail-Clients wie Outlook oder Google Mail sind, wenn es um so etwas vermeintlich simples wie die Darstellung von HTML-E-Mails geht, weil es kaum E-Mail-Clients mit einer vollwertigen Rendering-Engine gibt, das macht Thunderbird ziemlich einzigartig.

    Um den Fokus wirklich auf Features legen zu können, muss Thunderbird komplett neu entwickelt werden. Und der Aufwand dafür wird Jahre zur Umsetzung benötigen.

  3. blub
    schrieb am :

    Diese Mobile Apps lassen sich deutlich einfacher entwickeln, weil sie auf viele Komponenten des dahinterliegenden OS zurückgreifen und "nur" die Visualisierung übernehmen und evtl. noch über Metadaten die Emails in ein eigenes Such- und Ordnerschema integrieren.

    Thunderbird dürfte da deutlich komplexer sein.

    Man sieht ja auch an Vivaldi, wie schwierig das ist. Der E-Mail-Client ist nach wie vor nicht für die Öffentlichkeit verfügbar und daran wird mittlerweile auch sicher schon zwei Jahre entwickelt, obwohl man bereits Chromium als Renderengine hat.

  4. Mathias
    schrieb am :

    Das ist erstmal eine sehr gute Nachricht! Ich hatte schon befürchtet, Mozilla würde Thunderbird fallenlassen. Gut zu wissen, dass dem nicht so ist. Für mich ist Thunderbird nach wie vor der email-client der Wahl auf macOS, Windows und Linux.

  5. Lorenz Mayer
    schrieb am :

    Sehr schön!

     

    Ja, Thunderbird ist auch für mich der beste Mail-Client auf Windows, macOS und Linux!

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