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Firefox OS 2: Wie Mozilla den Browser mit dem Betriebssystem verschmilzt

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Firefox OS ist seit über neun Monaten auf dem Markt, Version 1.4 befindet sich kurz vor dem Ende der Stabilisierungsphase, die darauffolgende Version wird die Versionsnummer 2.0 tragen. Und für diese hat Mozilla besondere Pläne: Neben einem neuen Design möchte Mozilla den Browser und das Betriebssystem vereinen.

Vor gut zwei Wochen wurde auf diesem Blog erstmals das neue Design von Firefox OS 2 enthüllt. Doch arbeitet man bei Mozilla nicht nur an einer neuen Optik. Eine der wichtigsten Neuerungen dürfte die sogenannte Rocketbar sein. Damit werden Browser und Betriebssystem enger zusammengebracht.

Auch wenn die Apps für Firefox OS in HTML und JavaScript geschrieben sind, so sind auch auf Firefox OS letzten Endes Webseiten und Apps zwei verschiedene Konzepte: Apps lädt der Benutzer über den Marketplace herunter und startet sie von einem seiner Homescreens, Webseiten ruft der Benutzer über die Browser-App auf, im Task Manager befinden sich aktive Apps, aber keine Webseiten. Mit Firefox OS 2 werden die Unterschiede zwischen Webseiten und Apps kleiner.

Rocketbar bezeichnet das in Firefox OS 2 neu eingeführte Konzept der Statusbar, welche nicht mehr einfach nur eine Statusbar ist. Dem Benutzer ist es dann möglich, aus jeder App heraus vom oberen Bildschirmrand nach unten zu wischen oder in den Namen der Applikation in der Statusleiste zu klicken, um die Rocketbar in den Eingabemodus zu bringen, in welchem diese ein wenig größer ist. Wischt der Nutzer wieder nach oben, dann nimmt die Rocketbar wieder ihre ursprüngliche Größe ein.

Was die Rocketbar so besonders macht, das ist die Tatsache, dass die Rocketbar-Suche zum einen die installierten Apps durchsucht, zum anderen die Suche über everything.me einschließt, aber auch das Suchen auf Google ermöglicht sowie die Eingabe einer Internet-Adresse. Auch favorisierte Webseiten werden in den Ergebnissen angezeigt, womit der Benutzer keine Browser-App mehr starten muss, sondern egal, auf welchem Bildschirm er sich gerade befindet, Webseiten aufrufen kann.

Doch nicht nur das: Webseiten erscheinen ab Firefox OS 2 ganz genauso wie Apps im Task Manager und können darüber gewechselt oder geschlossen werden. Auch das Favorisieren von Webseiten soll über den Task Manager möglich sein.

Das Konzept der klassischen Lesezeichen im Browser, wie es sie auch in Firefox OS 1.x gibt, wird es ab Version 2 nicht mehr geben. Stattdessen werden die Lieblingsseiten auf einem der Homescreens abgelegt und lassen sich damit wie Apps starten, ohne dazu die Browser-App öffnen zu müssen.

Es wird weiterhin eine Browser-App geben, welche einen klassisch mit einer Startseite mit Vorschaubildern und Ausschnitt aus der Browser-Chronik begrüßt. Durch die Rocketbar ist es allerdings sehr gut vorstellbar, dass man diesen Bildschirm seltener zu Gesicht bekommt als bislang.

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Dieser Artikel wurde von Sören Hentzschel verfasst.

Sören Hentzschel ist Webentwickler und ehemaliger Mozilla Repräsentant. Neben diesem Mozilla-Blog ist er Administrator des deutschsprachigen Firefox Hilfeforums Camp Firefox und betreibt außerdem die Webseiten firefox.agenedia.com, firefoxosdevices.org, mozilla.de sowie das Fußball-Portal Soccer-Zone.

17 Kommentare - bis jetzt!

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  1. Michael Collatz
    schrieb am :

    Hört sich sehr gut an. Wie wird das notification Center dann aufgerufen, wenn die rocket bar durch das wischen von oben nach unten aufgerufen wird?

  2. Sören Hentzschel Verfasser des Artikels
    schrieb am :

    Die Benachrichtigungen kommen in Zukunft von unten. Davon werde ich in Kürze Bilder veröffentlichen.

  3. Michael Collatz
    schrieb am :

    Bin gespannt. Danke.

  4. schrieb am :

    Mir ist noch nicht ganz klar, wie sich die Verschmelzung von Browser und OS für mich als Nutzer auswirkt – abgesehen von der Rocketbar. Immerhin kann ich auch jetzt schon Webseiten auf dem Startbildschirm ablegen und wie Apps aufrufen.

  5. Toni
    schrieb am :

    Glückwunsch. Golem hat diesen Artikel als Quelle fur seinen Bericht herangezogen. Das zeigt doch sehr anschaulich welch gute Arbeit du mit deinem Blog leistest

    http://www.golem.de/news/rocketbar-neue-details-zu-firefox-os-2-0-1404-105974.html

  6. Sören Hentzschel Verfasser des Artikels
    schrieb am :
    • Du musst nicht die Browser-App starten, um Webseiten aufzurufen, sondern kannst dies von jedem Bildschirm des Gerätes aus.
    • Webseiten erscheinen im Task Manager und zwischen Webseiten kann darüber gewechselt werden, als wären es Apps.
    • Klassische Lesezeichen im Browser gibt es nicht mehr, stattdessen nur noch die Lesezeichen auf dem Homescreen, womit sich Lesezeichen wie Apps öffnen lassen. Das ist zwar aktuell bereits möglich, aber ein wohl eher selten genutztes Feature (vermute ich), mit Firefox OS 2 ersetzt das die Lesezeichen.
    • Die favorisierten Seiten erreichst du auch über die Rocketbar-Suche und damit global und nicht nur aus dem Browser heraus.

    Damit wird zusammengefasst gesagt also quasi das Betriebssystem zum Browser und Webseiten zu Apps, die Grenzen verschwimmen, die Unterschiede werden kleiner.

  7. Sören Hentzschel Verfasser des Artikels
    schrieb am :

    @Toni: Super, freut mich. Danke für den Hinweis!

  8. schrieb am :

    Hallo Sören, 

    die Browser App muss ich auch schon jetzt nicht starten, um auf dem Startbildschirm abgelegte Links zu öffnen. Da klicke ich einfach darauf und merke nicht wirklich, dass es sich dabei nicht um eine App handelt.

  9. Sören Hentzschel Verfasser des Artikels
    schrieb am :

    Für auf dem Startbildschirm abgelegte Seiten ist das richtig, in Firefox OS 2 kannst du allerdings von jeder App aus die Browsersuche starten. 😉

  10. hboie
    schrieb am :

    Wir sind sehr gespannt auf die Version 1.4 – allerdings finde ich es recht frustrierend, dass man nirgendwo einen verlässlichen Zeitplan findet. Es gibt zwar diverse Daten im Wiki, aber teilweise sind die schon längst verstrichen und teilweise werden sie immer wieder verschoben.
    Gibt es hier irgendwo belastbare Daten?

  11. Sören Hentzschel Verfasser des Artikels
    schrieb am :

    Gibt es nicht, da es nicht an Mozilla, sondern an den Herstellern liegt, ob / wann sie welche Version von Firefox OS für welches Gerät bereitstellen. Die aktuellen Geräte erscheinen mit Firefox OS 1.3 beziehungsweise heute wurde das erste Gerät angekündigt, welches direkt mit Firefox OS 1.4 in dieser Woche erscheinen wird (in Bangladesch). Zwischen dem „Release to Manufacturer“-Zeitpunkt, also der Fertigstellung durch Mozilla, wenn man so will, bis eine solche Version auf einem Smartphone landet, vergeht nochmal einiges an Zeit. Aber wie gesagt, ob / wann liegt an den Herstellern, darum lässt sich das nicht pauschal beantworten. Neue Versionen von Firefox OS selbst gibt es alle drei Monate.

  12. hboie
    schrieb am :

    Vielen Dank für die schnelle Antwort.
    Ich wäre ja schon froh, wir hätten Informationen über den „Release to Manufacturer“ – laut Mozilla-Wiki https://wiki.mozilla.org/Releases steht die 1.4 noch auf „Beta“ und die 2.0 auf „Nightly“ mit „Moves to Aurora week of June 10th, 2014“, so bekommt man nicht mal ein Gefühl, wann man mit 2.0 als Release des Herstellers überhaupt grob zu rechnen ist.

  13. schrieb am :

    Wegen der Updategeschichte … meine Erinnerungen mögen mich täuschen, aber ich meine noch in den Ohren klingen zu haben, dass es damals bei der Vorstellung von Firefox OS hieß, dass im Gegensatz zu Android die Updates von Mozilla kommen und es somit keine (so starke?) Fragmentierung geben wird.
    Und nun doch der gleiche M*st wie bei Android.
    Nutze mittlerweile das ZTE Open C als mein Haupthandy, da es all meine Anforderungen erfüllt. Aber ein bisschen enttäuscht bin ich schon, dass ich auf ZTE hoffen muss, dass die mir ein 1.4 oder gar 2.0er Update bereitstellen werden.

  14. Sören Hentzschel Verfasser des Artikels
    schrieb am :

    Es hieß sicherlich nie, dass die Updates von Mozilla kommen, denn die Updates können überhaupt nicht von Mozilla kommen, Stichwort Binary Blobs. Mozilla könnte Gecko und Gaia aktualisieren, aber nicht die unterste Schicht mit für gewöhnlich proprietären Treibern. Beim Smartphone liegt es immer am Hersteller, ob und wann ein Update erscheint (bzw. die Entscheidung kann auch bei der nächsten Instanz, dem Mobilfunkbetreiber, liegen).

  15. schrieb am :

    Das ist gut möglich. Vielleicht habe ich es auch missverstanden…
    Wäre trotzdem nicht schlecht, würde es Mozilla schaffen einer (zu starken) Fragmentierung den Riegel vor zu schieben. Gerade bei einer vergleichbar kleinen Verbreitung des Systems ist es noch mal doppelt schädlich, denn besonders in den Ländern, auf die Firefox OS hauptsächlich abziehlt, können sich die Menschen nicht mal gerade ein neues Telefon kaufen, weil das Betriebssystem veraltet ist und die ganzen spaßigen Applikationen nicht mehr darauf laufen.

  16. Sören Hentzschel Verfasser des Artikels
    schrieb am :

    Mozilla hat da halt nur relativ wenig Einfluss drauf. Zumindest es bei neuen Geräten mittlerweile meines Wissens so geregelt, dass die Geräte einen offenen Bootloader haben müssen, wenn die Hersteller den Namen „Firefox OS“ verwenden wollen, das würde es im Zweifel für die Community einfacher machen, selbst neue Versionen bereitzustellen. Aber keine Gewähr für diese Aussage. Mozilla veröffentlicht in jedem Fall alle drei Monate neue Versionen von Firefox OS und es ist klar, dass es eher die Ausnahme als die Regel sein wird, dass ein Gerät jedes Update erhält, das ist schon sehr schwierig für einen Hersteller und ja auch eine Kostenfrage (Qualitätssicherung, Auslieferung der Updates/Infrastruktur, Support), daran verdient der Hersteller nichts.

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